Home
Seminarliste
Lesefrüchte
Darwin
Landkarte
Bobos
Meter
Physiologus
Alexandria
Kolumbus
Sophokles
Pauli
Circles
Conspiracy
Calvin
Maturana/Varela
Popcorn
Quincy
Cybernetics
Devil's Dictionary
Langbogen
Miszellen
ueberDeurtschland
Artikel
Moi meme
Gästebuch
James Burke: Circles

Burke ist englischer Wissenschaftshistoriker und hat die Kunst der Filation perfektioniert: alle Ereignisse technischer oder wissenschaftlicher Errungenschaften sind miteinander verbunden. Burke erzählt diese Geschichten virtuos und mit schnellen Übergängen, aber mit deutlich englischer Perspektive (weniger auffällig in seinem Buch The Pinball Effect ) Seine nachfolgend zitierten Bemerkungen zu Leibniz’ Monadologie haben folgende Vorgeschichte: Der holländische Tuchhändler Anthoni Thonisoon kommt 1668 nach London um sich die letzten Tuchdesigns anzusehen. Er sieht dort Muster-Zeichnungen mit Vergrößerungen, die sein Tuchhändler-Vergrößerungsglas nicht hergibt. Er eilt also nach Delft in Holland zurück, nennt sich von da an Leeuwenhoek und stellt von nun an Linsen her. Mit diesen Linsen sieht er Micororganismen (Zeichnungen legt er der englischen Royal Society vor und erschüttert durch die Mitteilung, das die fünhundertfach vergrößerten Objekte dort leben).


Antonie van Leeuwenhoek (1632-1723)

Zufällig kommt Leibniz durch Holland und besucht Leeuwenhoek. Leibniz, schon immer von der Chain of Being überzeugt, also von der Kontinuität innerhalb der Natur (natura non fecit saltae, zwischen Fischen und Vögeln gibt es fliegende Fische usw.) sieht die kleinen Lebewesen als Bestätigung seiner Theorie an: auch in der belebten Welt gibt es ein Kontinuum vom unendlich Kleinen zum unendlich Großen. Das unendlich kleine hat Leibniz soeben mit der Infinitesimalrechnung in den Griff bekommen (Freundlicherweise verzichtet Burke hier auf den Prioritätenstreit zwischen Newton und Leibniz).


Gottfried Wilhelm Leibniz (1646-1716)

„Leibniz saw Leeuwenhoeks organisms during a visit to Delft in 1678 and asserted they proved that the differences between species might be so small „that it is impossible for the senses and imagination to fix the exact point where onde begins or ends.” Leibniz theory, based on the existence of such infinitesimally small, fundamental elements of existence (he called them “monads”), appeared to form the universal substrate the eighteenth century was looking for, in the wake of Jean-Jacques Rousseau’s call for a return to the life of the nobel savage …” (p. 66f)


Jean-Jacques Rousseau
(1712-1778)

Launig ist die lebensweltliche Interpretation der Monaden als klitzekleine Tierchen, wohingegen die deutsche Philosophie und Philologie auf der metaphyischen Existenz der Monade beharrt.
( §. 3. Wo nun keine Teile vorhanden sind / daselbst kann auch weder eine Ausdehnung in die Länge / Breite und Tiefe / noch eine Figur / noch eine Zerteilung möglich sein. Und diese Monaden sind die wahrhaften Atomi der Natur und mit einem Worte / die Elemente derer Dinge .)
Aber Engländer und Amerikaner sind eben pragmatischer, wie ja auch Ambrose Bierce’s Erklärung der Monade zeigt.


Haufenweise Monaden