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Langbogen

Was macht den Langbogen so interessant? Vielleicht, das er das mittelalterliche Äquivalent zur Atombombe war. Immerhin reden wir von einer panzerbrechenden Waffe, die eine Ritterrüstung wie Sperrholz durchbohrte, eine Waffe, gegen die es mithin keine Verteidigung gab. Eben deswegen wurde der Langbogen vom Papst Innozenz II. im Jahre 1139 gebannt , eine Art Atomwaffen-Sperrvertrag.

Seinen beeindruckendsten Einsaz hatte der Langbogen in der Schlacht von Crecy , in der die Elite des französchischen Rittertums durch die Langbogenschützen des englischen Heeres hinweggemäht wurden. In dieser Schlacht wurden auch zum ersten Male Kanonen eingestzt.

Technisch handelt es sich beim Langbogen um einen geraden, unbeschichteten Holzbogen, der etwa so groß sein sollte wie der Schütze selbst, also zwischen 1,60 und 1,80 Meter. Er hatte eine Zugkraft von 75 bis 90, berichtet wird aber auch von 150, Pfund: ein kräftig abgeschossener Pfeil konnte ein 10 cm dickes, massives Eichentor durchbohren und weiterfliegen! So überliefert von der Belagerung von Abergavenny Castles um 1182. Die Aufzeichnungen zur erzielbaren Schußweite gehen von 180 bis 200, in einigen Fällen bis zu 300 Metern. Erst im 16. Jahrhundert wurden Panzerungen entwickelt, die dem Langbogen standhalten konnten, Kettenpanzer waren dazu offensichtlich nicht in der Lage.

“Niemand weiß, woher der Langbogen ursprünglich stammte, aber erste Hinweise auf ihn deuten nach Wales. Gerald de Barri war einer jener mittelalterlichen Kleriker und Chronisten, die faszinierende Bereichte über ihr Leben und ihre Zeit schrieben. Im Jahre 1188 begleitete Gerald Erzbischof Baldwin auf einer Reise durch Wales, auf der dieser zum Dritten Kreuzzug aufrief. Über diese Reisen verfaßte Gerald einen Bericht voller Kuriositäten und Geschichten aus jener Region. In einer dieser Fabeln schilderte er einen Vofall, der sich anscheinend sechs Jahre früher bei der Bestürmung von Abergavenny Castle ereignet hatte: “Zwei Soldaten liefen über eine Brücke, um in einem der Türme Zuflucht zu suchen. Wallisische Bogenschützen schossen hinter ihnen her und jagten ihre Pfeile mit solcher Wucht in das Eichentor des Turmes, daß die Pfeilspitzen das Türholz durchbohrten, das fast eine Handbreit dick war, und die Pfeile wurden als Mahnzeichen in der Tür stecken gelassen.”

"Two soldiers ran over a bridge to take refuge in one of the castles towers. Welsh archers, shooting from behind them, drove their arrows into the oak  door of the tower with such force that the arrowheads penetrated the wood of the door which was nearly a hand thick; and the arrows were preserved in that door as a memento"

(aus dem Reiseberich von Gerald de Barri)

Gerald hatte die fragliche Pfeile sebst gesehen und erzählte noch eine weitere Geschiten über dieselbe Art von Bogen. In diesem Falle wurde ein entlicher Soldat von einem Pfeil verwundet, der seine Beinpanzerung durchdrang, seinen Schenkel und den Sattel durchbohrte und schließlich sein Pferd tötete.” (James Burke, Gutenbergs Irrtum und Einsteins Traum, München 1999, S. 105f.)

Burke bringt den Langbogen auch direkt mit Robin Hood in Verbindung: die Geschichte hat einen wahren Kern, und der handelt von einem hervorragenden Lanbogenschützen-


Robin Hood - Superheld