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Sophokles

Hellmut Flashar:
Sophokles.
Dichter im demokratischen Athen.
München 2000

„In der knappen Spanne eines Zeitraums von weniger als einem Jahrhundert (Aischylos ist 499 das erste Mal aufgetreten) sind in Athen fast 1000 Tragödien und etwa 500 Komödien entstanden, die zusammengenommen, wären sie erhalten, 160 Bände im Format der heutigen Texteditionen füllen würden. Der erhaltene Bestand macht, Fragmentsammlungen nicht mitgerechnet, gerade sieben Bände aus.“ (p 21)

„Insgesamt waren die Athener und ihre Gäste im Theater an den fünf aufeinanderfolgenden Tagen einer enormen Anstrengung ausgesetzt, mussten sie doch außer den Dithyramben 17 Dramen rezipieren.“ (p. 24)

„Die Epheben, die jedenfalls im Athen des fünften Jahrhunderts in der Regel ein Basiswissen an Lesen, Schreiben, Rechnen, Grammatik und Musik besaßen, vielleicht auch erstmals schon die homerischen Epen zu lesen begonnen hatten, wurden nun mit einer neuen Dichtung konfrontiert, die in der Hülle des Mythos Entscheidungs- und Konfliktsituationen der Polis, ihre Gefährdungen durch Hybris, Intoleranz, Anmaßung und Verblendung zum Inhalt hatte.“ (p 24)

Plaster cast of statue of Sophokles.
Ashmolean Museum, Cast Gallery.
Cast No. C141b
© Ashmolean Museum

„Es ist daher auch unangemessen, das vielfältige Bündel an von der Tragödie ausgelösten Eindrücken und Wirkungen auf die Alternative Belehrung oder affektive Erschütterung (Reinigung von Affekten) zu reduzieren. Es ist beides; erst die nachträgliche Theorie kann trennen. Die Philologie sollte beides wieder zusammenführen.“ (p. 25)

„Man hat sich lange nicht klargemacht, was diese institutionelle Rahmenbedingungen für unser Verständnis des griechischen Dramas bedeuten. Die Dichter wollten mit ihren Stücken keine Dokumente zeitlos gültiger Tragik oder Komik schaffen, sondern schrieben im Hinblick auf eine einzige Aufführung, bei einem von der Polis eingerichteten Fest mit der Absicht, dort zu siegen. Die Lektüre der Dramen war ein sekundärer Vorgang.“ (p. 26)

„Zu den Gegebenheiten, die Sophokles von vornherein zu berücksichtigen hatte, gehört der Theaterbau. Im Unterschied zum modernen Dichter und Übersetzer konnte und musste der Tragödien- wie der Komödiendichter immer für dasselbe Theater sein Drama konzipieren und gestalten. Er musste das Dionysostheater mit seinen 14 000 – 17 000 Zuschauerplätzen im Blick haben und sein Drama so anlegen und einstudieren, dass jede Einzelheit bis in die obersten Reihen verständlich und sinnfällig war.“ (p. 27)

Ohne Mikrofone und PA! Das hört sich möglicherweise unglaubwürdig an, aber auch Ben Franklin, der Heros der amerikanischen Unabhängikeit, berichtet vergleichbares über den Prediger Whitefield.

Oedipus und Sphinx


Best of Sophokles:

Antigone
Chorlied von der Größe und Gefährdung des Menschen (p. 66)

Der Tod Orests (p. 132)
Der Unfall

König Ödipus (p. 167)
Sein Schicksal

Ödipus auf Kolonos (p 171)
Chorlied von der Herrlichkeit des attischen Landes (p. 171)
(Die Alten von Kolonos malen dem blinden Ödipus aus, wo er Aufnahme gefunden hat.)

Dominique Ingres, Oedipus solving
the riddles of the sphinx, 1808